Samstag, 17. September 2016

Tafelberg-Nightmare

...So dachten wir jedenfalls, Veronica und ich, als wir am Fuße des Tafelbergs standen. Von 47 Minuten Aufstieg war die Rede, von nicht allzu anspruchsvollen Wanderwegen, wo auch der letzte Senior noch hochkraxeln kann, von sanften Berghängen, die... Nunja, soweit das von uns befragte Internet, das allwissende. Und wir fügten selber noch hinzu: 2 Liter Wasser, 2 Äpfel, Aktivkohlefilter-Flaschen, Wanderschuhe, Sonnencreme sowie ein Handy mit Google's Maps. Für den Notfall. Falls man sich verirrt. Vorsichtshalber. Entsprechend ignorieren wir die Bergkarten der Touristeninformation angesichts unserer Technologie, welche auf 1500 Metern in Gebirgsschluchten selbstredend NICHT funktionieren wird. Nur ahnen wir das noch nicht und sowieso, was soll der unnötige Ballast, sind ja in ner Stunde zurück. So stiefeln wir los.

Es ist 11 Uhr, die Sonne bewegt sich langsam Richtung Höhepunkt, während wir den des Tafelbergs anstreben. Gemächlich, die Aussicht genießend, schlendern wir aufwärts. Grüßen Eidechsen am Wegesrand, rennen vor apfelsinengroßen Hornissen davon, knipsen hier und da die (wirklich wunderschöne!) Landschaft. Machen Späße über alle, die die am anderen Ende des Berges fahrende Seilbahn nutzen. Pft.

Treffen wir anfangs noch ab und an ein paar Menschen, sind wir nach zwei Stunden, nun schon gut verschwitzt, ganz allein auf dem Weg. Schön ist das, denken wir, und gehen weiter. Und weiter. Keine Schilder, nur der eine Weg, der allerdings immer unwegsamer wird. Was solls, denken wir, und gehen weiter. Und weiter. Bis doch mal ein Wegweiser kommt. "Diagonal" zeigt einer der Pfeile auf die Spitze des Berges, während alle anderen uns weiter langweilig geradeaus schicken wollen. Da wir nun doch gern mal ankommen würden, weil das Wandern nicht gewohnt, nehmen wir diesen Weg. Klingt ja irgendwie nach Abkürzung, denken wir, und gehen weiter. Und weiter. Alle Wege führen schließlich nach oben, oder wie war das gleich? 

Das tun sie in der Tat, und unserer ganz besonders. Schon bald stehen wir kopfkratzend vor einem großen Brocken Fels, der unseren Weg versperrt, welcher mittlerweile nur noch einen halben Meter breit ist. Daneben geht es so bös bergab, dass ich den genauen Winkel hier lieber nicht erwähnen möchte. Den Eltern zuliebe.

Klettern drüber. Wer zuckt, verliert.

Tatsächlich geht es immer schön steil weiter nach oben, der Weg wird steiniger, wird enger, wird ungeheuer, bis er aufhört, ein Weg zu sein. Stehen abermals kopfkratzend und diesmal schweißabtupfend sowie leicht beunruigt vor einem noch größeren Brocken Fels. Zwei Meter hoch, einige hundert Meter Schlucht daneben. Wir: zweifelnd, ob dies noch seniorengerecht sei. Beschließen, den Brocken bei der Touristeninformation zu melden und..

..klettern drüber.

"Stark zu sein, heißt nicht, nie zu fallen, sondern immer wieder aufzu...." Nunja.

Nach weiteren Stunden sind wir fast an der Spitze, nur ein bisschen Schotter liegt noch dazwischen. Also Kiesel. Große Kiesel. Eher Steine. Na gut, es sind Klippen. Manche würden es vielleicht auch Gebirgsmassiv nennen, aber ich will nicht übertreiben.

Angesicht zu Angesicht stehen Veronica und ich dem Steinmonster gegenüber, wir wollen weiter, wollen kämpfen, aber leider muss ich blinzeln (Schweiß im Auge, man kennt das), sehe dabei versehentlich den Abgrund neben mir und muss Veronica im nächsten Moment nötigen, sofort mit mir umzukehren, bevor ich mich vergesse. 

Kapitulation.

Was dich nicht tötet, macht dich stärker? Am Arsch.

Erst später, viel später, beim Abstieg, begegnen wir Wanderern, die uns auf ihrer - in weiser Voraussicht mitgenommenen - Bergkarte zeigen, welchen Weg wir da gegangen sind. Dass dort ein rotes "Dangerous" stand, versehen mit einem netten roten Ausrufezeichen, sollte ich hier nicht schreiben. Schließlich haben unsere Eltern uns das Versprechen abgerungen, "immer aufzupassen", "keine Dummheiten zu machen" und "NIEMALS", unter keinen Umständen quasi, "IRGENDWELCHE MIT ROTEM AUSRUFEZEICHEN VERSEHENEN WANDERWEGE ZU NEHMEN!!!1!!1".

Entschuldigung, es tut uns leid. Passiert nie wieder, versprochen. 
  

1 Kommentar:

  1. Herrliche Story. Wundervoll geschrieben. Schreib mir mal kein Fernweh an den Hals! Will da auch hin. Aber per Seilbahn. ;)

    Seid umarmt, Maurice

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