Schnittchen auf Weltreise
Hamburg. Südafrika, Nepal, Indien, Thailand, China, Japan, Chile, Peru, Bolivien, Ecuador, Guatemala, Mexico, USA, Kuba. Hamburg.
Donnerstag, 29. September 2016
Montag, 26. September 2016
Aus dem Leben eines Backpackers
Was sonst noch los war auf der Garden Route: Wir lernen. Viel.
Zu allererst: Das Leben eines Backpackers ist aufregend, und zuweilen ziemlich anstrengend. Das ständige Packen zum Beispiel. Auf wundersame Weise scheint jedes Mal weniger in den Rucksack zu passen während die Geduld exponentiell gegenläufig abnimmt. Pläne, mindestens die Hälfte des ganzen Klumpatsch nach Hause zu schicken, werden in Betracht gezogen. "Half the clothes and double the money." Wer sich angesprochen fühlt, uns beim zweiten Teil dieser alten Backpacker-Weisheit zu unterstützen, lasse sich gern unsere Kontonummer mitteilen.
Zweitens: Bei Ankunft in einem Hostel sollten die anderen Gäste möglichst umgehend auf Tauglichkeit und Passung geprüft werden. Befindet man sich wie wir jenseits der 30, ist man gut beraten, nicht erst seinen 100-Kilo-Rucksack die steile Treppe hoch zu wuchten, um dann festzustellen, dass das Hostel von einer Horde pubertierender, lüsterner Schuljungs beschlagnahmt wurde. Wer es schafft, von dem toxischen Gemisch aus zu viel AfterShave, Männerdeo und Testosteronausdünstungen nicht öhnmächtig zu werden, packe schleunigst seine sieben Sachen und renne um sein Leben. Der 100-Kilo-Rucksack wird plötzlich ganz leicht, versprochen. Man zahle ein paar Euro mehr die Nacht und finde sich in altersgemäßen Gefilden ein. Jedoch sollte auch hier das Angebot vorher genauestens studiert werden, da - siehe drittens.
Drittens: Ein "En-Suite Bathroom" kann wörtlich gemeint sein, sprich "Klo im Zimmer" ***
Wer seinem Mitreisenden die schlimmsten intimsten Dinge ersparen will, schicke diesen für die Zeit des zu erledigenden Geschäfts einfach vor die Tür (die einzige Tür, die es gibt, nämlich die nach draußen, ja ganz nach draußen, auch bei Regen und Wind) und harre demütig der Dinge aus, die da kommen. Möglichst schnell.
*** ohne Wand und Tür.
Viertens: Das Auto der Marke Datsun (Modell Origami-Faltkunst) eignet sich nicht zur Anfahrt an steilen Hängen, zum Beispiel Tankstellenausfahrten, wo hinter einem bereits jemand wartet, loszufahren. Das Auto der Marke Datsun (Modell Origami-Faltkunst) kann ab einer Steigung von 0,01% leider nicht mehr seine vollen 2 PS rausholen. Folgen könnten sein: Plötzliches Rückwärtsrollen, aggressives Angehuptwerden von hinten, panisches Durchdrücken des Gaspedals mit unerwartetem Satz nach vorne, touchieren eines nichts ahnenden Passanten. Sofern dieser in letzter Sekunde einen beherzten Sprung zur Seite schafft und somit sein Leben rettet, sollte man mit quietschenden Reifen und unter versehentlichem Gehupe schnellstens das Weite suchen.
Fünftens: Die Fähigkeit, Karten zu lesen, sollte dringend (!) in einem mehrwöchigen Volksschulkurs vor (!) Antritt der Reise angeeignet werden, bestenfalls aufgestockt mit einigen Intensiv-Stunden zur Lage der Pole und Himmelsrichtungen. Andernfalls kann es zu Situationen kommen, die ein Spektrum von fatal, gefährlich, über enttäuschend und frustrierend bis hin zu peinlich und resigniert annehmen können.
Sechstens: Menschliche Spuren sind keine verlässlichen Wegweiser. Tierische übrigens auch nicht.
Siehe auch fünftens.
Siehe auch fünftens.
Siebtens: alte englische Wasserhähne wurden einzig und allein dazu erfunden, der Menschheit das Leben schwer zu machen. Wer nicht weiß, was es mit alten englischen Wasserhähnen auf sich hat, bitte aufmerksam lesen und unbedingt vermeiden, mit diesen in Kontakt zu kommen. Alte englische Wasserhähne sind eine Kombination aus einem Warmwasser- sowie Kaltwasserhahn, was soweit noch keine Abnormalität darstellt. Diese beiden Hähne sind jedoch grundsätzlich an den zwei entferntesten Punkten des Waschbeckens installiert, also einer ganz links und einer ganz rechts. Beim Aufdrehen der Hähne und Nutzung des Wassers zieht man sich folglich wahlweise Verbrühungen oder Gehirnfrost zu. Am Ende steht man hektisch vor dem Becken und wedelt panisch mit der hohlen Hand zwischen den Hähnen hin und her, um irgendwie das richtige Mischverhältnis hinzubekommen. Man kann hier nur verlieren. 1:0 für die alten englischen Wasserhähne. Aber wach ist man danach allemal.
Achtens: Wenn das Geld knapp wird, schmeckt auch ein Rotwein aus 3-Liter-Tetrapack. Auch in einem der besten Weinanbaugebiete der Welt. Nicht.
Samstag, 17. September 2016
Tafelberg-Nightmare
...So dachten wir jedenfalls, Veronica und ich, als wir am Fuße des Tafelbergs standen. Von 47 Minuten Aufstieg war die Rede, von nicht allzu anspruchsvollen Wanderwegen, wo auch der letzte Senior noch hochkraxeln kann, von sanften Berghängen, die... Nunja, soweit das von uns befragte Internet, das allwissende. Und wir fügten selber noch hinzu: 2 Liter Wasser, 2 Äpfel, Aktivkohlefilter-Flaschen, Wanderschuhe, Sonnencreme sowie ein Handy mit Google's Maps. Für den Notfall. Falls man sich verirrt. Vorsichtshalber. Entsprechend ignorieren wir die Bergkarten der Touristeninformation angesichts unserer Technologie, welche auf 1500 Metern in Gebirgsschluchten selbstredend NICHT funktionieren wird. Nur ahnen wir das noch nicht und sowieso, was soll der unnötige Ballast, sind ja in ner Stunde zurück. So stiefeln wir los.
Es ist 11 Uhr, die Sonne bewegt sich langsam Richtung Höhepunkt, während wir den des Tafelbergs anstreben. Gemächlich, die Aussicht genießend, schlendern wir aufwärts. Grüßen Eidechsen am Wegesrand, rennen vor apfelsinengroßen Hornissen davon, knipsen hier und da die (wirklich wunderschöne!) Landschaft. Machen Späße über alle, die die am anderen Ende des Berges fahrende Seilbahn nutzen. Pft.
Treffen wir anfangs noch ab und an ein paar Menschen, sind wir nach zwei Stunden, nun schon gut verschwitzt, ganz allein auf dem Weg. Schön ist das, denken wir, und gehen weiter. Und weiter. Keine Schilder, nur der eine Weg, der allerdings immer unwegsamer wird. Was solls, denken wir, und gehen weiter. Und weiter. Bis doch mal ein Wegweiser kommt. "Diagonal" zeigt einer der Pfeile auf die Spitze des Berges, während alle anderen uns weiter langweilig geradeaus schicken wollen. Da wir nun doch gern mal ankommen würden, weil das Wandern nicht gewohnt, nehmen wir diesen Weg. Klingt ja irgendwie nach Abkürzung, denken wir, und gehen weiter. Und weiter. Alle Wege führen schließlich nach oben, oder wie war das gleich?
Das tun sie in der Tat, und unserer ganz besonders. Schon bald stehen wir kopfkratzend vor einem großen Brocken Fels, der unseren Weg versperrt, welcher mittlerweile nur noch einen halben Meter breit ist. Daneben geht es so bös bergab, dass ich den genauen Winkel hier lieber nicht erwähnen möchte. Den Eltern zuliebe.
Klettern drüber. Wer zuckt, verliert.
Tatsächlich geht es immer schön steil weiter nach oben, der Weg wird steiniger, wird enger, wird ungeheuer, bis er aufhört, ein Weg zu sein. Stehen abermals kopfkratzend und diesmal schweißabtupfend sowie leicht beunruigt vor einem noch größeren Brocken Fels. Zwei Meter hoch, einige hundert Meter Schlucht daneben. Wir: zweifelnd, ob dies noch seniorengerecht sei. Beschließen, den Brocken bei der Touristeninformation zu melden und..
..klettern drüber.
"Stark zu sein, heißt nicht, nie zu fallen, sondern immer wieder aufzu...." Nunja.
Nach weiteren Stunden sind wir fast an der Spitze, nur ein bisschen Schotter liegt noch dazwischen. Also Kiesel. Große Kiesel. Eher Steine. Na gut, es sind Klippen. Manche würden es vielleicht auch Gebirgsmassiv nennen, aber ich will nicht übertreiben.
Angesicht zu Angesicht stehen Veronica und ich dem Steinmonster gegenüber, wir wollen weiter, wollen kämpfen, aber leider muss ich blinzeln (Schweiß im Auge, man kennt das), sehe dabei versehentlich den Abgrund neben mir und muss Veronica im nächsten Moment nötigen, sofort mit mir umzukehren, bevor ich mich vergesse.
Kapitulation.
Was dich nicht tötet, macht dich stärker? Am Arsch.
Erst später, viel später, beim Abstieg, begegnen wir Wanderern, die uns auf ihrer - in weiser Voraussicht mitgenommenen - Bergkarte zeigen, welchen Weg wir da gegangen sind. Dass dort ein rotes "Dangerous" stand, versehen mit einem netten roten Ausrufezeichen, sollte ich hier nicht schreiben. Schließlich haben unsere Eltern uns das Versprechen abgerungen, "immer aufzupassen", "keine Dummheiten zu machen" und "NIEMALS", unter keinen Umständen quasi, "IRGENDWELCHE MIT ROTEM AUSRUFEZEICHEN VERSEHENEN WANDERWEGE ZU NEHMEN!!!1!!1".
Entschuldigung, es tut uns leid. Passiert nie wieder, versprochen.
Vom Anfang
Das ist der Anfang.
Der Anfang unserer Weltreise fühlt sich noch an wie ein kurzer Urlaub in Kapstadt. Nur die Trekkingschuhe (welche die hälftes kostbaren platzes im rucksack wegnehmen und die ich schon jetzt auf den Tod nicht leiden kann) erinnern mich daran, dass weitere ... Kilometer Welt vor mir liegen.
Aber zurück zum Rucksack und den Schuhen, die soeben einer ungerechten Verurteilung unterlagen. Ich vermute, ich werde sie noch lieben lernen. Und ich hoffe, dass mir die anderen Dinge dann weniger wichtig werden, wenn ich mit diesen Schuhen auf 3500 Metern über dem Meeresspiegel in spitzem Vulkangestein stehe und über die weite Weite Nepals blicke. Abwarten.
Bis dahin schleppe ich weiterhin 23 Kilo und 900 Gramm Rucksack (offizielles Abfluggewicht, plus 2 Kilo Handgepäck plus 60 Kilo Marthe) entlang der Garden Route in Richtung Port Elizabeth. Schwere Vorstellung ist das, im wahrsten Sinne. Denke, ich werde mich der Sachen entledigen wie eine Schlange sich häutet. Langsam rausschälen aus dem unnützen Zeug, fallen lassen und weiter gehts.
Was war denn da los, als ich allen Ernstes die Hihgheels eingepackt habe? Vielleicht die Angst, alles schöne, weibliche oder bekannte zurück lassen zu müssen? Der Gedanke, mit bequemen Freizeitschuhen wie ein ewiger Tourist auszusehen (und als solcher sofort erkannt zu werden)? Oder doch das allzu menschliche Bedürfnis, an alten Dingen festzuhalten, wenn jener Mensch dem großen Unbekannten gegenübersteht? Aber da insbesondere Letzteres praktischer Unsinn ist, entscheide ich mich ab sofort für das Schlangen-Prinzip. Lasse Schuhe, Ersatz-Mascara, Spitzen-BH und das fünfte Paar weiße Söckchen auf dem Weg zurück wie Hänsel und Gretel ihre Steinchen. Mit dem Unterschied, dass ich meinen Weg nicht zurück gehe. Nur vorwärts, immer vorwärts, rein ins Unbekannte, scheiß auf alles; Welt, ich komme, ich fliege, mit offenen Armen, im Sturzflug ins Abenteuer sozusagen und überhaupt. Nur, wer hat eigentlich gesagt, dass man dabei nicht geschminkt sein darf? Denke, der Ersatz-Mascara darf bleiben.
Aber genug der wirklich wichtigen Dinge im Leben und etwas seichte Bespaßung. So dachten wir jedenfalls, Veronica und ich, als wir am Fuße des Tafelbergs standen...
Der Anfang unserer Weltreise fühlt sich noch an wie ein kurzer Urlaub in Kapstadt. Nur die Trekkingschuhe (welche die hälftes kostbaren platzes im rucksack wegnehmen und die ich schon jetzt auf den Tod nicht leiden kann) erinnern mich daran, dass weitere ... Kilometer Welt vor mir liegen.
Aber zurück zum Rucksack und den Schuhen, die soeben einer ungerechten Verurteilung unterlagen. Ich vermute, ich werde sie noch lieben lernen. Und ich hoffe, dass mir die anderen Dinge dann weniger wichtig werden, wenn ich mit diesen Schuhen auf 3500 Metern über dem Meeresspiegel in spitzem Vulkangestein stehe und über die weite Weite Nepals blicke. Abwarten.
Bis dahin schleppe ich weiterhin 23 Kilo und 900 Gramm Rucksack (offizielles Abfluggewicht, plus 2 Kilo Handgepäck plus 60 Kilo Marthe) entlang der Garden Route in Richtung Port Elizabeth. Schwere Vorstellung ist das, im wahrsten Sinne. Denke, ich werde mich der Sachen entledigen wie eine Schlange sich häutet. Langsam rausschälen aus dem unnützen Zeug, fallen lassen und weiter gehts.
Was war denn da los, als ich allen Ernstes die Hihgheels eingepackt habe? Vielleicht die Angst, alles schöne, weibliche oder bekannte zurück lassen zu müssen? Der Gedanke, mit bequemen Freizeitschuhen wie ein ewiger Tourist auszusehen (und als solcher sofort erkannt zu werden)? Oder doch das allzu menschliche Bedürfnis, an alten Dingen festzuhalten, wenn jener Mensch dem großen Unbekannten gegenübersteht? Aber da insbesondere Letzteres praktischer Unsinn ist, entscheide ich mich ab sofort für das Schlangen-Prinzip. Lasse Schuhe, Ersatz-Mascara, Spitzen-BH und das fünfte Paar weiße Söckchen auf dem Weg zurück wie Hänsel und Gretel ihre Steinchen. Mit dem Unterschied, dass ich meinen Weg nicht zurück gehe. Nur vorwärts, immer vorwärts, rein ins Unbekannte, scheiß auf alles; Welt, ich komme, ich fliege, mit offenen Armen, im Sturzflug ins Abenteuer sozusagen und überhaupt. Nur, wer hat eigentlich gesagt, dass man dabei nicht geschminkt sein darf? Denke, der Ersatz-Mascara darf bleiben.
Aber genug der wirklich wichtigen Dinge im Leben und etwas seichte Bespaßung. So dachten wir jedenfalls, Veronica und ich, als wir am Fuße des Tafelbergs standen...
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